Was wir tun

Einmal im Monat suchen wir diverse Rotlicht-Betriebe der Stadt Biel und Umgebung auf. Je nach Etablissement bieten wir den sich prostituirenden Menschen eine gesunde, vollwertige Mahlzeit, Massagen oder kleine Geschenke an. In ihrem Alltag sind sie häufig Entwürdigung, Entmenschlichung, Stress, Gewalt, Willkür, Isolation und Respektlosigkeit ausgesetzt. Daher legen wir grossen Wert darauf, ihnen bei unseren Besuchen auf Augenhöhe, als wichtige und ernstzunehmende Individuen zu begegnen und ihnen Würde und Wertschätzung zu vermitteln – eben «from my heart to yours». Wir nehmen uns Zeit für Gespräche, geben ihnen Raum sich mitzuteilen und von ihrem belastenden Alltag und ihren Sorgen zu erzählen, lachen und weinen mit ihnen. Wenn die (grossmehrheitlich) Frauen dies wünschen und es uns möglich ist, unterstützen wir sie in diversen Belangen. So begleiten wir sie beispielsweise bei Arztbesuchen und Behördengängen, unterstützen sie bei der Suche nach für sie geeigneten sprachlichen und beruflichen Aus- und Weiterbildungsangeboten, helfen ihnen Fragen rund um ihren Aufenthalt zu klären (Status, Steuern, Krankenkasse, Reglemente usw.), denken mit ihnen über ihre Wünsche und Träume von einer Neuorientierung nach und vernetzen sie mit passenden Fachstellen.

Ein professionelles und vernetztes Vorgehen ist uns bei alledem sehr wichtig. Daher arbeiten wir auch ständig daran, unser Netzwerk auszubauen.

Wir stellen immer wieder fest, dass ein grosser Teil der Gesellschaft sehr wenig über die wirklichen, oft ausbeuterischen Zustände und «Arbeitsbedingungen» im Rotlichtmilieu weiss. Viele gehen davon aus, dass Menschenhandel in der Schweiz nicht wirklich vorkommt und dass sich die Frauen freiwillig und selbstbestimmt prostituieren und dabei Spass haben und gutes Geld verdienen. Um dieses realitätsfremde Bild zu ändern und die Gesellschaft für die Themen Menschenhandel und Prostitution zu sensibilisieren, halten wir Vorträge und stehen für Interviews zur Verfügung. 

Unser Ziel ist es, dazu beizutragen, dass ein Umdenken in der Gesellschaft passiert: Es darf nicht einfach normal und salonfähig sein, sich den Körper eines anderen Menschen zu kaufen um damit, ungeachtet der Würde, Bedürfnisse und Grenzen des Gegenübers, zu machen was man will.